Ausstellung

Der Klang von Lissabon

Prof. Dr. Paulo Ferreira-Lopes

Prof. Hartmut Jahn

Transmediale Künste stehen heute vor vielen Herausforderungen, wobei Zeitbasierte Medien eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von neuen Ausdrucksmöglichkeiten spielen. Aber diese Möglichkeiten können nur dann vollends erfasst werden, wenn Künstler aus verschiedenen Kulturräumen ihre Erfahrungen austauschen und miteinander konfrontieren können.

Wie transportiert man ein Geräusch?

Das Projekt „Der Klang von Lissabon“ ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung, eine Möglichkeit, unsere eigenen Gebiete und Kulturen zu befragen – von Mainz bis Lissabon, von Gutenberg bis Pessoa, vom Rhein bis zum Tejo. Eine projektbezogene Lernumgebung fördert einen breiteren Kompetenzerwerb in einer globalisierten Welt. In diesem Sinn ist die Kooperation zwischen der Abteilung Multimedia/Kunst der Fakultät für Bildende Künste der Universität Lissabon und der Fachrichtung Mediendesign der Hochschule Mainz besonders wichtig, wo Studenten in internationalen Teams zusammenarbeiten und explorative Forschungsmethoden anwenden – ein geeigneter Weg, bürgerschaftliches Engagement zu zeigen in einer mit den Medien verbundenen Welt.

Die Zusammenarbeit in Lissabon und Porto war eine erstaunliche Herausforderung und eine sehr fruchtbare Erfahrung der letzten vier Jahre. Die Vielfalt der Themen und die unterschiedlichen Wege im Umgang mit Material, Situationen, Technik und Konzepten führten die Teams dazu, die Ideen zu verfeinern und schließlich ihre Projekte zu realisieren. Ein Schwerpunkt war, das Thema Klangdarstellung auf reale akustische Umgebungen anzuwenden. Die Idee basierte auf einem einfachen Konzept: Wie kann man die Wahrnehmungen eines Geräuschs aus einer akustischen Umgebung – z.B. dem Strand, der Casa de Fado, der Ponte 25 de Abril – zu einem Ausstellungsgelände transportieren? Der Arbeitsablauf zur Realisierung dieses einfachen Konzepts ist weitaus komplizierter und erfordert ein umfassendes Verständnis von der Psychoakustik bis zur Echtzeit-Audiosignal-Verarbeitung.

Mit dem Engagement der Studierenden und einer „Teamwork”-basierten Stimmung war es möglich, viele Materialien in Lissabon zu erstellen. Wir befanden uns in verschiedenen akustischen Situationen: Von freien Feldaufnahmen mit Fischern am Strand über hoch kontrollierte räumliche Konstellationen in geschlossenen Räumen bis hin zu der – noch nicht öffentlich zugänglichen – alten Zisterne von Lissabon.

Kurzfilme, Installationen, Fotografien


Das Ergebnis sind Kurzfilme, Installationen und Fotografien. Sie zeigen unter anderem, wie sich die Protagonisten durch den Einfluss und Wandel der Stadt selbst verändert haben: Wie ein Geigenbauer mit seiner ruhigen Werkstatt im Zentrum den absoluten Gegenpol zum Stadtleben auf den Straßen bildet, weshalb Straßenmusiker dort Straßenmusik machen, wie die Viertel der Ilhas in Porto bedroht sind, welchen Einfluss das Wachstum der Stadt auf die junge Musikszene hat. Wir sehen eine Lektion mit dem FADO-Star Ricardo Ribeiro und, auf den Spuren der Fadista Ana und Adriano, das Model Sharam Diniz in Performance, wir beobachten Fischer bei der Verarbeitung ihres Fangs – und werden gewahr, wie sich die Natur an vernachlässigten Orten wie den alten Werften und Palästen alles zurückerobert, was man ihr einst nahm.

Der nächste Schritt war die Bearbeitung dieses Materials – Dekodierung/Kodierung auf 3DFormate – in Mainz. Der letzte schließlich die Software-Implementierung, das Design und die Konstruktion eines 3D-Audiosystems. Die Konstruktion dieses Systems in der Ausstellung im LUX-Pavillon hatte als Hauptziel, die skalierten akustischen Umgebungen von Lissabon zu bewahren, nach Mainz zu transformieren – mit Unterstützung auch der Studierenden aus Lissabon – und das Erleben der verschiedenen Klang- und Bildwelten auf einem 360º-Soundsystem darzustellen

Projekt-Assistenz: Philip Grzemba, Geraldine Rodriguez Maldonado, Bastian Bley
Produktionsteam LUX: Dipl. Des. Marcel Fleischmann
Produktionsteam img: Dipl.-Des. Manfred Liedtke, Dipl.-Des. Uwe Zentgraf, Norman Eschenfelder (B.A)
Mit Unterstützung aus Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdienstes – DAAD in Zusammenarbeit mit den Hochschulen
Universidade Católica Portuguesa Porto, Prof. Dr. Carlos Cairos
Faculdade de Belas Artes Universidad Lisboa, Profs. Dr. Antonio Sousa Dias, Dr. Patricia Gouveia