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Talks on Immersion

Virtual Reality: Menschheitstraum mit Nebenwirkungen

Halb Virtual Reality, halb Real Virtuality so sahen die Besucher die Zukunft von VR-Medien bei den Talks on Immersion. Neue Impulse dazu lieferten Altmeister Prof. Dr. Bazon Brock, Dr. Stephan Streubner und Dr. Tobias Holischka.


Prof. Anja Stöffler & Stefanie Böttcher (Direktorin Kunsthalle Mainz)

Wird Virtual Reality unsere neue Realität? Oder nur eine neue Realität? Ist sie vielleicht ein Hype, der schnell vorüberzieht? Gibt es sie überhaupt? Oder müsste es nicht vielmehr Real Virtuality heißen nach Bazon Brock? Noch stehen wir am Anfang der Verschmelzung von realen und virtuellen Welten. 

In den „Talks on Immersion“ loteten die Hochschule Mainz und die Mainzer Kunsthalle in einem Symposium und diskutierten mit drei Wissenschaftlern. Sie hinterfragten, was noch real ist und wofür virtuelle Umfelder genutzt werden können.

Die Diskussionen auf den Kopf stellte schließlich Altmeister Bazon Brock, der nach den Widersprüchen im neuen virtuellen Kosmos suchte und dabei zugleich die Virtuelle Realität selbst als Widerspruch in sich ausmachte und statt dessen die reale Virtualität einforderte. Die „Talks on Immersion“ waren das erste gemeinsame Symposium der Mediengestalter an der Hochschule Mainz Prof. Anja Stöffler in Kooperation mit der Mainzer Kunsthalle und seiner Direktorin Stefanie Böttcher, die beide ihre Arbeit auf der Schnittlinie von Philosophie, Medien- und Kunstwelten sehen.

„Ein Bankkonto ist nichts anderes als Virtual Reality.“

Dr. Tobias Holischka

Referenten

Prof. Dr. Bazon Brock

Eine ganze Generation ist durch e-Gurus verführt worden, von Zeichenwelten als virtual realities zu sprechen und Gebrauch zu machen. Aber eine Wirklichkeit ist eben keine, wenn sie virtuell ist. Simple Begriffsarbeit würde die Richtigstellung ermöglichen, dass es sich bei den besagten Zeichengebungsverfahren um realisierte Virtualität, also um materiell repräsentierte Gedanken, Vorstellungen, Begriffe und dergleichen innerpsychische Operationen handelt.
Wir stehen von Natur aus unter Vergegenständlichungszwang, fachwissenschaftlich heißt das, wir sind auf embodiment, also Verkörperung geistiger, seelischer, emotionaler und anderer intrapsychischer Kräfte angewiesen, da sich diese Kräfte ja nur dann als gegeben erweisen, wenn sie sich als wahrnehmbare Elemente, als Entitäten unserer Welt beweisen.
Mit ein bisschen Aufmerksamkeit für die Begriffe verstehen wir dann, dass es um realisierte Virtualität, also realized virtuality statt um virtual realities geht, um sich der Verhexung des Verstandes durch das Zeichengebungsbrimborium nach Kräften zu erwehren.

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Kurzbiografie: Prof. Dr. Bazon Brock, Denker im Dienst und Künstler ohne Werk, ist emeritierter Professor am Lehrstuhl für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Bergischen Universität Wuppertal. Weitere Professuren an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (1965–1976) und der Universität für angewandte Kunst, Wien (1977–1980). 1992 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Eidgenössisch Technischen Hochschule, Zürich und 2012 die Ehrendoktorwürde der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Er repräsentiert das „Institut für theoretische Kunst, Universalpoesie und Prognostik“, und ist Gründer der Denkerei / Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen und Maßnahmen der hohen Hand.

Dr. Tobias Holischka

Die Virtual Reality bringt unser Wirklichkeitsverständnis an seine Grenzen. Sie stellt uns vor grundlegende Fragen, die tief in die Philosophie hinein reichen. So fantastisch die VR auch sein mag – um ihre Chancen und Risiken verstehen zu können, müssen wir uns zunächst mit ihren Grundlagen beschäftigen.

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Kurzbiografie: Dr. Tobias Holischka arbeitet seit 2009 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Philosophie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören das Verhältnis von Wirklichkeit und Virtualität, die Technikphilosophie und die Ortsphänomenologie. Im Jahr 2016 wurde seine Dissertationsschrift unter dem Titel „CyberPlaces. Philosophische Annäherungen an den virtuellen Ort“ veröffentlicht.

Dr. Stephan Streuber

Die Virtuelle Realität, kurz VR, ist zu einem Synonym für eine neuartige Technologie geworden, die es dem Benutzer erlaubt, in eine computergesteuerte Phantasiewelt einzutauchen und diese unmittelbar am eigenen Körper erfahrbar zu machen. Da unser Gehirn sensorische Signale unabhängig davon verarbeitet, ob diese aus der realen Umwelt kommen oder vom Computer erzeugt werden, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Virtualität. Die durch VR erzeugte Authentizität der Erfahrung birgt Risiken und Chancen, die noch größtenteils unerforscht sind. Der Vortrag fokussiert sich hauptsächlich auf die Potenziale von VR im Hinblick auf die Erforschung menschlichen Verhaltens.

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Kurzbiografie: Jun.-Prof. Dr. Streuber promovierte im Fach Neuro- und Verhaltenswissenschaften am Max Planck Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen. Seit 2018 ist er Juniorprofessor an der Universität Konstanz, wo er die Arbeitsgruppe „Virtuelle Realität zur Erforschung kollektiven Verhaltens“ leitet.

Leitung und Moderation: Stefanie Böttcher, Prof. Anja Stöffler
Mitarbeit: Laura Günter, Manfred Liedtke
Bilder: Martina Pipprich