Ausstellung

Keine Zukunft ohne Wissen um die Vergangenheit:

Der Gedenk- und Lernort „Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz“

Prof. Anja Stöffler & Prof. Dr. Anett Mehler-Bicher

Als Ort der Erinnerungskultur ist am 11. April 2018 in Mainz das „Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz“ eröffnet worden. Der Gedenk-Ort verbindet das Wissen um die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland mit dem Streiten für Demokratie und Akzeptanz in der von Vielfalt geprägten rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Ziel der Dokumentations- und Bildungsstätte ist es, demokratisches Bewusstsein und die Bereitschaft für zivilgesellschaftliches Engagement mit Jugendlichen und Erwachsenen zu fördern, das sich extremistischen Strömungen entgegenstellt.

Dokumentaraufnahmen historischer Ereignisse und Interviews mit Zeitzeugen und NS-Verbrechen und Widerstand in Mainz um die Erinnerung an die nationalsozialistische Vergangenheit und die damit einhergehende Ausgrenzung sowie Verfolgung von Menschen in Wort und Bild lebendig zu halten und speziell ein jüngeres Publikum anzusprechen, präsentiert das „Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz“ in einer musealen Komposition für die Gesellschaft erlebbar und interaktiv nutzbar eine Vielzahl medialer Installationen, bei deren Konzeption und Realisierung die Hochschule Mainz unter der Leitung von Prof. Anja Stöffler und Prof. Dr. Anett Mehler-Bicher als Projektpartner mitgewirkt hat.

Ausgangspunkt war ein Seminar von Prof. Anja Stöffler in dem Studierende des Instituts für Mediengestaltung einen „Pfad“ mit zehn Stationen entwickelten. Methoden der Ausgrenzung, das „Verschwinden“ der Opfer und die Verbrechen der Täter können mit Hilfe interaktiver medialer Installationen für die Besucher und Besucherinnen erlebbar werden. Ideen zur inhaltlichen Ausgestaltung der Stationen wurden entwickelt von Joachim Schulte, Dr. Hedwig Brüchert, Hans Berkessel, Dr. Frank Teske, Angelika Arenz-Morch und Dr. Ralph Erbar.

An vier Stationen haben die Besucherinnen und Besucher des Lernortes Gelegenheit, sich mit ihren Einstellungen zu Demokratie und Akzeptanz auseinanderzusetzen:

Das „Wir“ einer Gesellschaft – und wer dazu gehört

Mechanismen der Ausgrenzung

Zivilcourage – und wie sie gelingt

Regeln demokratischen Zusammenlebens

Mediale Installationen

Die Besonderheit der Räumlichkeiten nutzend, wurde eine „Achse“ vom Glaspavillon mit den „Gesichtern der Demokratie“ zum „Raum der Namen“ gelegt, in dem die aus Mainz deportierten Sinti und Juden genannt werden. „Dazwischen“ liegen Stationen, die die Wege der Ausgrenzung, des Widerstands und des demokratischen Zusammenlebens zeigen.

Raum der Namen

Der „Raum der Namen“ ist eine Medieninstallation, die, in einem abgedunkelten Bereich der Ausstellung, die Namen von rund 1.600 durch die NS-Diktatur Deportierten und Ermordeten aus Mainz/Rheinhessen vergegenwärtigt. „Der Raum der Namen, der die Möglichkeit bietet, das damalige Unrecht aufzuarbeiten, ist entsprechend kontemplativ gestaltet“, hebt Prof. Anja Stöffler, eine der beiden Projektleiterinnen, hervor.

Gesichter der Demokratie

Zu den Ausstellungsräumlichkeiten gehört ein außen gelegener rechteckiger Glaspavillon, der von allen Seiten einsehbar ist und entsprechend bespielt wird. Georg Forster, Heinrich von Gagern, Elisabeth Selbert, Willy Brandt und Navid Kermani gehören zu den beispielhaften Demokratinnen und Demokraten, deren Leben und Wirken den Besuchern in der Installation „Gesichter der Demokratie“ mit Bildern und Zitaten vor Augen geführt werden.

Das Entscheidungsspiel (App)

Selbstlos, realistisch, ängstlich oder eigennützig?

Mit dem interaktiven „Entscheidungsspiel“ können Verhaltenstendenzen in der Gruppe aufgezeigt werden.

„Was würdest Du tun, wenn Du einen wertvollen Ring erbst, den die Großmutter aber von flüchtenden Juden unter dem damaligen Wert gekauft hat?“

Dies ist eine der Fragen im interaktiven „Entscheidungsspiel“, an dem bis zu 30 Personen via iPad teilnehmen können, um ihre eigene Akzeptanz auf die Probe zu stellen und anschließend im Gespräch zu erörtern. „Das Multiuser-Game bietet durch die verschiedenen Spielmodi Möglichkeiten der individuellen Reflexion, aber auch der intensiven Diskussion in der Gruppe“, führt Prof. Dr. Anett Mehler-Bicher, ebenfalls in der Projektleitung, aus.

„Wir freuen uns, dieses eminent wichtige Vorhaben mit 25.000 Euro aus dem Innovationsfonds der Hochschulleitung unterstützen zu können, der eigens für interdisziplinäre Projekte eingerichtet wurde. ‚Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz’ ist das Musterbeispiel eines interdisziplinären Transferprojekts, in das wir unsere Kompetenz einbringen können“, betonte Prof. Dr.-Ing. Gerhard Muth, Präsident der Hochschule Mainz.

Breit gefächertes Programm

Da sich das „Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz“ als lebendige Bildungsstätte versteht, wird die Dauerausstellung ergänzt durch ein breit gefächertes Angebot von Workshops für Schülerinnen, Schüler und Jugendliche sowie Fortbildungsseminare für Lehrerinnen und Lehrer. Darüber hinaus wird das „Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz “ auch Veranstaltungsort für Filmaufführungen sowie für öffentliche Vorträge und Diskussionsforen sein, die sich mit aktuellen Grundsatzfragen einer demokratischen Bürgergesellschaft befassen.

Träger ist die gemeinnützige „Stiftung Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz“, die 2015 von Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft sowie der Stadt Mainz und dem Landkreis Mainz-Bingen gegründet wurde.

Gesichter der Demokratie

Idee: Anja Stöffler, Anett Mehler-Biecher, Max Wolf (MESO)

Technik: Norbert Seemayer, Max Wolf, Norman Eschenfelder

Entwurf: Bartek Wieczorek

Animation: Florian Geyer (finaly studio)

Aufbau Installation: Manfred Liedtke, Oliver Kelm, Uwe Zentgraf

Raum der Namen

Idee: Anja Stöffler, Stefanie Grimminger

Technikplanung: Norbert Seemayer, Max Wolf (MESO)

Programmierung: Jonathan Kaiser, Nils Weger

Technik: Norbert Seemayer,Norman Eschenfelder

Sounddesign: Sebastian Hohberg

Audio und Mix: Ralf Schönwiese

Entscheidungsspiel

Idee: Katrin Skoneczka

Design: Tabish Ahmad

Text: Volker S. Stahr, Anett Mehler-Bicher, Joachim Schulte

Programmierung: Daniel Schwarz (takomat)

Supervision: Anja Stöffler

Projektleitung: Prof. Anja Stöffler (Hochschule Mainz, Institut für Mediengestaltung) und Prof. Dr. Anett Mehler-Bicher (Hochschule Mainz, Wirtschaftsinformatik)
 
Joachim Schulte (Vorsitzender des Stiftungsvorstands)
Hans Berkessel (Vorsitzender des Stiftungsrats)

Manfred Liedtke (Projektmanagement)
Max Wolf/ Fa. MESO (Medientechnik) 
Bartek Wieczorek (Innendesign)
Tabish Ahmad (Mediendesignerin, Game Interfacedesign)
Prof. Daniel Schwarz (Takomat / iPad Programmierung)
Jonathan Kaiser, Nils Weger (Programmierung / Raum der Namen)
Sebastian Hohberg (Musikkomposition / Raum der Namen)
Finally (TV- und Screendesign / Gesichter der Demokratie)
Ralf Schönwiese (Audiotechnik und -gestaltung)
Aufbau- und Technikteam: Norbert Seemayer, Norman Eschenfelder, Uwe Zentgraf
Fotos: Katharina Dubno

Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.haus-des-erinnerns-mainz.de/